THE WALL (2007)


Artikel aus der Rheinpfalz vom 02.10.2007



Mannheimer Morgen
04. Oktober 2007

Schüler machen mit Rockoper Furore

“The Wall” von Pink Floyd: Max-Planck-Gymnasiasten setzen schweren Stoff gekonnt um


Ein Jahr lang haben die Max-Planck-Schüler auf ihren Auftritt mit "The Wall" hingearbeitet. Der Lohn: drei Mal volles Haus, drei Mal donnernder Applaus. Bild: Blüthner

Von unserem Mitarbeiter Martin Vögele

Vor knapp 20 Jahren trat Pink ins Scheinwerferlicht – und fast explosionsartig wurde er zum Symbol eines an sich selbst und seiner Umwelt gescheiterten Menschen. Vom Räderwerk einer seelenlosen Erziehungsmaschinerie ausgespieen, der Vater im Krieg gefallen, die Mutter überbehütend, wächst er zu einem ausgebrannten Rockstar heran, einsam und Drogen umnebelt. Später wird er Wortführer einer brutalen faschistoiden Bewegung. Pink schottet sich ab, errichtet Stein für Stein jene sinnbildliche Mauer, die seinem Schicksal einen Namen geben sollte: “The Wall”. In ihrer Rockoper erzählen Pink Floyd die Geschichte des fiktiven Protagonisten in komplexen, schwermütigen psychedelischen Kompositionen.

Es ist kein Werk, das sich mal eben so auf die Bühne bringen lässt: Ein Jahr lang haben Schüler des Max-Planck-Gymnasiums zusammen mit dem Jugendchor “Sunshine” der Pfarrei St. Josef darauf hingearbeitet, diese Mammutaufgabe zu stemmen. Drei Aufführungen fanden in der Aula der Schule statt, dreimal vor vollem Haus.

Die 50 Mitwirkenden hatten viel gewagt mit ihrem Vorhaben – und triumphiert. Die Dekoration eher spärlich gehalten, verließ sich die Inszenierung vielmehr auf die Strahlkraft seiner Sänger – allen voran den fabelhaften Christoph Massar als Pink – und den Fertigkeiten der Instrumentalisten. In angenehmer Weise rufen sie in Erinnerung, dass das Songmaterial auf “The Wall” (fast vollständig aus der Feder des Bassisten Roger Waters) über weite Strecken schlichtweg brillant ist. Auch wenn man es tausendfach gehört hat, der fahrige Groove von “Another brick in the wall” bereitete Gänsehaut.

Die Bühne wurde zum Klassenzimmer, Sängerin Michele Sturm schleuderte trotzig das “Hey! Teachers! Leave them kids alone!” (“Hey, Lehrer, lasst die Kinder in Ruhe!”) ins Publikum. “Comfortably numba” geriet zu einem Höhepunkt der Aufführung: Der zusammengesunkene Pink fand sich hier im Duett mit seiner zynischen Ärztin (Marie-Christine Lemcke) wieder. Der Schrei, der den Song in der Studioversion unvermittelt durchschneidet, schallte um ein vielfaches verstörender noch aus den über zwanzig Kehlen des Jugendchors. Keyboardklänge türmten sich auf, Michael Sahm und Lehrer und Projektbegleiter Michael Hilprecht bestritten im Mittelgang zwischen den Zuschauern einen minutenlangen virtuosen Dialog sägender Gitarrenstimmen.

Pink schließlich, wurde nach einem alptraumhaften Gerichtsprozess (“The trial”) dazu verurteilt, die Mauer, die nach und nach auf der Bühne aufgetürmt worden war, in einem Befreiungsschlag niederzureißen. Donnernder Applaus – den Schülern ist mit “The Wall” ein großer Wurf gelungen.

__Quelle: www.morgenweb.de __


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